Stadt der Liebe (3)

Wie Johannes Brahms in der Sanderau die Liebe in Versform fand

Georg Friedrich Daumer. Quelle: Wikipedia

1871: Johannes Brahms, der große Komponist, macht sich auf die beschwerliche Reise von Wien nach Würzburg. In der Weingartenstraße besucht er einen alten Herrn, der schon allerhand hinter sich hat: Georg Friedrich Daumer, geboren 1870 in Nürnberg.

 

Dieser Mann ist in die Geschichtsbücher eingegangen als derjenige, der den berühmten Findling Kaspar Hauser aufgenommen und unterrichtet hat. Daumer, ein Philosoph, hatte auch versucht, eine neue Religion zu entwickeln; das Christentum ist ihm als „Vernichtungsreligion“ zuwider gewesen. Daraus ist nichts geworden, er schlug sich dann doch auf die Seite des Papstes.

 

Brahms aber besuchte den Dichter Daumer, den Autor innig-schöner Liebesgedichte. Ohne dass der alte Mann davon wusste, hatte Brahms über 60 der Poeme vertont. Dieses zum Beispiel:

 

Es bebet das Gesträuche,

gestreift hat es im Fluge
ein Vögelein.

In gleicher Art erbebet

die Seele mir, erschüttert

von Liebe, Lust und Leide,

gedenkt sie dein.

 

Die halbe Musikwelt kennt Brahms. Vom Würzburger Liebesdichter Daumer aber nur wissen wenige. Dabei hat er wirklich hübsche Gedichte geschrieben. „Stiller Schrei“ heißt eines - der Mann muss schlimmen Liebeskummer gehabt haben:

 

Nicht mehr zu dir zu gehen,

Beschloss ich und beschwor ich,

Und gehe jeden Abend,

Denn jede Kraft und jeden Halt verlor ich.

Ich möchte nicht mehr leben,

Möcht' Augenblicks verderben,

Und möchte doch auch leben

Für dich, mit dir, und nimmer, nimmer sterben.

Ach rede, sprich ein Wort nur,

Ein einziges, ein klares; Gib Leben oder Tod mir,

Nur dein Gefühl enthülle mir, dein wahres!

 

Ihm ist aber auch gut gegangen. In einem Poem reimte er keck:

 

Nachtigall, sie singt so schön,

wenn die Sterne funkeln.

Liebe mich, geliebtes Herz,

küsse mich im Dunkeln!

 

1875, vier Jahre, nachdem der große Brahms ihn in seiner Wohnung in der Weingartenstraße besucht hatte, ist Daumer gestorben, 75 Jahre alt.

schreibdasauf.info

 

Brahms Liebeslieder Walzer, Op. 52. Texte: Georg Friedrich Daumer

 

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