Stadt der Liebe (1)

Wofür das Ehebett da war und wie für die Ehrbarkeit gesorgt wurde

Darstellung einer Bordellszene aus dem zweiten Viertel des 16. Jahrhunderts, gemalt vom "Braunschweiger Monogrammist". Bildquelle: Wikipedia

Im 15. Jahrhundert hielten mehr Leute als heute die Ehe für heilig. Für ihren Vollzug vorgesehen war das Ehebett, „daruf machet man die kint, ein man mit sinem wibe“.

 

In Würzburg war ein mittelalterlicher Verkehrsüberwachungsdienst unterwegs. Wir wissen aus alten Protokollen von zwei Sittenwächtern, die in einer Nacht des Jahres 1450 eine Jungfrau und einen Knecht im trauten Gespräch auf der Straße entdeckten. Eine „unerberckeit“ - Unehrbarkeit - konnten sie nicht ausmachen und dennoch „schendten“ sie - schimpften sie - die Frau aus.

 

Jungfrauen hatten in der Nacht, so war das damals, nichts auf der Straße zu suchen.

 

1443 wurde der Bürger Heinz Straß verhaftet, weil er „bey nacht in dem frauwen haüß“ – dem Bordell – gewesen war „und hat doch eyn elich frawen“.

 

Fritz Heim wurde 1446 „bey nacht in sant Kilians feyeretagen bey seyner dyrrn“ erwischt - am 8. Juli bei einer Frau, die einen, nach damaligem Geschmack, liederlichen Lebenswandel führte. Heim bekam Ärger deswegen und auch, weil er den Feiertag nicht geheiligt hatte.

 

Ein Jahr später war er wieder dran. Er wurde bestraft, weil er „vil büberey trybe mit frawen und ettliche meyde verleummt und sagt er wer bey in gelegen“. Der Halunke hatte ein falsches Spiel mit Frauen getrieben und - wohl zu Unrecht - behauptet, er habe mit ihnen geschlafen.

 

Solche Hallodri sind sie gewesen, die alten Würzburger.

 

Literaturtipp:

 

Schneider, Wolfgang: Volkskultur und Aberglauben. In: Wagner, Ulrich (Herausgeber): Geschichte der Stadt Würzburg (Band 1). Von den Anfängen bis zum Ausbruch des Bauernkriegs. 2001 erschienen im Konrad-Theiss-Verlag, Stuttgart

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