Würzburger Historicals
Stadt der Liebe (III)
1627 bezogen die „Unbeschuhten Karmeliten“ ihr Kloster zwischen Sanderstraße und Reuerergasse. Dort beten sie bis heute. 1661 ließen sie das Gemäuer neu bauen. Architekt war Antonio Petrini, der später auch Stift Haug plante.
Bevor die Karmeliten kamen, stand an dieser Stelle das Kloster der „Schwestern zur büßenden Magdalena", auch „Reuerinnen" genannt. Das waren Damen, die vormals mit der leiblichen Liebe ihr Geld gemacht hatten. Als Nonnen finanzierten sie den Unterhalt des Klosters mit Bettelei. „Da sich aber hieraus mannigfaltige Schwierigkeiten ergaben“, berichtet der Historiker Thomas Memminger, „wurde dem Kloster der Gütererwerb und -besitz gestattet“. Was war passiert? Die frommen Schwestern hatten – Schuster bleib bei deinem Leisten – die Männer mit Schäferstündchen zum Geben verführt.
Die Kirche beendete die Liebeskonzile. Die Frauen mussten wie Gefangene in ihren Gemäuern bleiben und fristeten ein trostloses Leben. Ihr Häuflein schmolz, bis 1564 selbst die Priorin Barbara Nierlein floh, auf der Suche nach einem besseren Leben.
© Wolfgang Jung - schreibdasauf.info