Historicals
Woher das Böse in Würzburg kommt
Dem kleinen Leonhard Frank (Foto: Archiv Steidle), 1882 geboren im Würzburger Mainviertel, ging es gut, bis er in die Schule kam. Dort begann für ihn, schreibt er, „die große Not, herzabdrückend und die Seele verwundend". Er musste einen Lehrer erleiden, der seine überwältigende Autorität dazu nutzte, „die Persönlichkeit des Schülers auszurotten", der einen „gründlichen Seelenmord" beging.
In seinem 1914 erschienen Roman „Die Räuberbande“ denkt Frank über ihn und Würzburg nach: „Vielleicht ist der Lehrer so, lebt so, geht so in dieser Stadt herum, weil es die Atmosphäre der Stadt nicht anders zulässt ... Der Katholizismus, die Klöster, Mönche und Priester, die engen Kurven der Gassen mit den feuchten Schatten, die gotischen Kirchen, die hohen, grauen Mauern, aus denen unvermittelt gotische Fratzenbildwerke springen, all dies zusammen wirkt auf den Menschen von Jugend an. So eine Stadt bringt Böse hervor, die schon als siebenjährige Kinder Sünden beichten mussten. Verblödete, religiös Irrsinnige, Ehrgeizige, bucklig Geborene, heimliche Mörder, Krüppel, Asketen, Kinderschänder ... auch Künstler. Und Menschen wie den Lehrer Mager ...“
© Wolfgang Jung - schreibdasauf.info