Würzburger Historicals
Katholik und Dunkelmann
Den entscheidenden Schub bekam die SPIEGEL-Affäre 1962 aus Würzburg. Nachdem das Nachrichtenmagazin unter dem Titel "Bedingt abwehrbereit" über ein missratenes Nato-Manöver berichtet hatte, erstattete der Würzburger Rechtsprofessor August Freiherr von der Heydte (1907 bis 1994) am 11. Oktober 1962 Anzeige wegen Landesverrats. Zwei Wochen später begann die Hatz.
Von der Heydte, einst deutscher Statthalter des Ordens vom Heiligen Grabe in Jerusalem und CSU-Abgeordneter im Bayerischen Landtag, war umstritten. Theo Sommer beschrieb ihn in der "Zeit" als "katholischen Abendländler mit einem ziemlich dunkelmännerischen Demokratieverständnis".
Der Würzburg war Oberstleutnant der Wehrmacht gewesen, später Bundeswehr-Oberst der Reserve, "in welcher Eigenschaft er dafür eintrat", so Sommer, "das Heer in katholische und evangelische Regimenter aufzuteilen (noch im Oktober 1962, welcher Zufall, wurde er zum Brigadegeneral befördert)".
© Wolfgang Jung - schreibdasauf.info