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Karl Weller, Antifaschist
Karl Weller starb 2008 im Alter von 97 Jahren. Er war ein Menschenfreund, international gesinnt, und ein Kämpfer: gegen die Nazis in Deutschland und die Faschisten in Spanien. Er hatte nicht damit rechnen dürfen, so alt zu werden.
Als Kind mutterseelenallein
Karl Weller hat kein Aufhebens um sich gemacht. Trotzdem schrieb er 1990 seine lesenswerten Lebenserinnerungen „Im Strudel des Zeitenstromes“. Vielleicht, spekulierte er im Vorwort, „war es ganz einfach die Last der Erinnerung“, die ihn dazu trieb.
1910 in Aschaffenburg geboren, ist er unter erbärmlichen Bedingungen im Waisenhaus aufgewachsen, mutterseelenallein. Es muss traumatisch gewesen sein. Bis ins hohe Alter thematisierte er das Alleinsein und das Glück, in Gemeinschaft zu leben.
Anders als die Mehrzahl der Deutschen in den 1920-er und 30-er Jahren bedeutete Gemeinschaft für ihn Internationalität. Er zog erst nach Würzburg, dann als Wandermusiker durch die Lande und erlernte die Kunstsprache Esperanto. Unterwegs wurde er Zeuge der Gewalttaten von Nazis und verlor darüber, schreibt er, „den letzten Rest von schöngeistigem Idealismus“.
„Nieder mit Hitler!“
Im Frühjahr 1933, nach Hitlers Machtergreifung, malte er in dunkler Nacht in großen Lettern an die Fassade der Polizeiwache neben der Grombühlbrücke: „Nieder mit Hitler!“ Tags darauf verhaftete ihn die Polizei und fand auch noch einen Trommelrevolver, den er unter seiner Matratze versteckt hatte. Das Urteil: fünfeinhalb Monate Gefängnis. Zwei Tage vor der anstehenden Entlassung schaffte ihn die Gestapo zur „Umerziehung“ ins Konzentrationslager Dachau. In seinem Buch beschreibt er das brutale Lagerregime der SS als „Hölle“. Im Juli 1935 kommt er, 24-jährig, frei. Im Februar 1936 verhaftet ihn die Gestapo erneut und hält ihn sieben Monate lang fest, ohne Anklage.
Mit der Waffe gegen die Feinde der Freiheit
Im November 1936, wieder in Freiheit, geht Weller nach Spanien und schließt sich der XI. Internationalen Brigade im Krieg gegen die Franco-Faschisten an. Er will „mit der Waffe gegen die Feinde der Freiheit und der Menschenrechte kämpfen". Er überlebt mörderische Gefechte und entsetzliche Gräuel, verliert viele Kameraden und gerät in spanische Gefangenschaft. Wieder sieht er Kameraden sterben, wieder überlebt er die Quälerei, bis ihn die Faschisten nach Deutschland abschieben. Im April 1942 kehrt Weller ins KZ Dachau zurück, als Häftling Nummer 29 734. Im April 45 befreien die Amerikaner die furchtbar malträtierten Gefangenen.
„Ich habe eine sehr glückliche Art“
Oktober 2005 bei Wellers in der Zellerau. Da stand er, groß und schlank, mit seiner 13 Jahre jüngeren Frau Maria, und entpuppte sich als ein Spaßvogel, der das Leben genießt und 100 Jahre alt werden will. Aber die Entschlossenheit, mit der er sich durchs Leben gekämpft hat, stand ihm ins Gesicht geschrieben. Beim Fotografieren wurde seine Miene unversehens hart; er reckte den Kopf in die Höhe, als schaute er wieder einer Herausforderung ins Auge.
Wie konnte er überleben? Und wie die Gräuel verdauen? „Ich habe eine glückliche Art“, erzählte er, „ich hänge den schlechten Dingen sehr wenig nach. Ich bin ein Optimist, schon immer gewesen, besitze den notwendigen Humor und nehme die Dinge nicht unnötig schwer.“
Nach dem Krieg ist er Beamter geworden. Einer Partei hat er sich nie angeschlossen.
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Karl Weller lebt im Internet weiter, auf den Seiten des Hauses der Bayerischen Geschichte, wo er in kurzen Videos aus seinem Leben erzählt.
(Foto: privat)
© Wolfgang Jung - schreibdasauf.info