Würzburger Historicals
Waldfriedhof: Eine groteske Unappetitlichkeit
Willi Dürrnagel, Stadtratsmitglied und Friedhofsexperte, berichtet auf seinen Führungen über den Waldfriedhof vom Baubeginn im Jahr 1934.
Dürrnagel zitiert aus dem Tagebuch eines Würzburgers, Eintrag vom 11. Mai 1937: "Der neue städtische Waldfriedhof ist in seinen Anlagen nahezu fertig. Die Sache hat Hunderttausende verschlungen. Nun aber erhebt der Hygieniker Geheimrat Professor Dr. Knorr entschiedenen Einspruch dagegen, dass dort oben Leichen bestattet werden - die Bergkuppe am Dallenberg ist Vor-Sickerfeld für Quell- und Trinkwasser. Die Bevölkerung müsste also das über bestattete Leichen sickernde Wasser trinken, eine Vorstellung von grotesker Unappetitlichkeit. Der Einspruch Knorrs ist durchgedrungen, der Friedhof darf nicht benutzt werden. Das Geld ist hinausgeworfen."
Die Zeit verging. Und siehe: 30 Jahre später galt Knorrs Einspruch nicht mehr. In den 1960er Jahren baute die Stadt den Waldfriedhof neu auf.
© Wolfgang Jung - schreibdasauf.info