Kunst & Kultur

Die ganze Wahrheit über den Nikolaus

Wer kommt von draußen, vom Walde her, und erzählt, es weihnachte sehr? – Der Nikolaus? Gemach. „Obwohl er zu den Heiligen gehört, die in Ost und West universal verehrt werden“, steht im Biographisch-Bibliographischen Kirchenlexikon geschrieben, „ist sein Leben historisch schwer zu erfassen“. In der Figur des Volksheiligen vereinigen sich wohl mehrere Nikoläuser.

Der erste wurde zwischen 280 bis 286 geboren, in Patara in Lykien, der heutigen Türkei, und starb zwischen 345 und 351 in Myra, dem heutigen Kocademre, an der türkischen Südwestküste, 150 Kilometer westlich von Antalya.

In den Legenden verbindet sich seine Gestalt mit, so berichtet der Volkskundler Prof. Klaus Guth im Kirchenlexikon, „historischen Einzelheiten aus dem Leben gleichnamiger Heiliger, so des Abtes Nikolaus vom Kloster Sion bei Myra, später Bischof von Pinara, gestorben 564“. Wahrscheinlich ist, dass Nikolaus nicht der Eigenname des Mannes war, sondern eine Ehrenbezeichnung: „Nikos” bedeutet im Griechischen „Sieg”, „Laos” das „Volk”. „Nikolaos” bedeutet sinngemäß „Sieger des Volkes”. Christliche Namensdeuter interpretieren, Nikolaus sei einer, der das Böse besiegt und dem Volk gezeigt habe, wie das Gute siegreich bleibe.

Konkurrenz für den Artemis-Kult

Zum Würzburger Weihnachtsmarkt kommt der alte Nüssebringer grundsätzlich am zweiten Advent. Das ist zumindest historisch kein Frevel. Der 6. Dezember erinnert nicht an den Geburts- oder Sterbetag der Gestalt. Das Datum ist, glauben Historiker zu wissen, der griechischen Göttin Artemis geschuldet, der Diana der Römer. Die alten Griechen feierten den Geburtstag der Tochter des Göttervaters Zeus (Jupiter) am 6. Dezember. Der Artemis-Kult war weit verbreitet, von ihm ist auch in der Apostelgeschichte des Neuen Testaments die Rede. In der Arbeit „Nikolaus von Myra“, herausgegeben vom Erzbistum Köln, spekuliert Manfred Becker-Huberti, der Pressesprecher des Erzbistums: „Der 6. kann mit Absicht gewählt worden sein, um den Artemis-Kult zu überdecken.“

Im Pökelfass des Metzgers

In der Überlieferung und den Legenden verdichten sich die Vorbilder des Nikolaus zum mild- und wundertätigen Bischof. Eine Legende erzählt von einem Vater, der seine drei Töchter als Jungfrauen in die Prostitution schicken wollte, weil er zu arm war, sie zu verheiraten. Nikolaus, sehr vermögend, habe sie gerettet, indem er heimlich Geld ins Haus brachte. Einer anderen Heiligengeschichte zufolge gerieten drei Buben auf der Suche nach Arbeit an einen mörderischen Metzger. Der habe sie ins Pökelfass gesteckt, zerteilt und sei drauf und dran gewesen, sie als Wurst in die Pelle stopfen, als Nikolaus davon hörte. Der Gute soll die Knaben wieder zum Leben erweckt haben.

Im 10. Jahrhundert war das Fest des heiligen Nikolaus in deutschen Landen angekommen. Seit dem 11. Jahrhundert feiern westeuropäische Christen am 28. Dezember das „Fest der Unschuldigen Kinder“, eine Erinnerung an den Tag, an dem die Neugeborenen Bethlehems auf König Herodes Geheiß ermordet worden sein sollen. Im 13. Jahrhundert, als sich Nikolaus als Patron der Schüler durchgesetzt hatte, nutzten die Leute den 6. Dezember, den Nikolaustag, als Auftakt des „Festes der Unschuldigen Kinder“. Wer was hatte, seine Kinder zu beschenken, der tat es.

Luther macht Schluss mit der Bescherung

Im 16. Jahrhundert trat der Reformator Martin Luther in die Weltgeschichte ein und machte Schluss mit der Kinderbescherung am Nikolausabend. Evangelische Kinder, diktierte er 1535, sollen an Weihnachten bedacht werden. Damit setzte er das gabenbringende Christkind in die Welt.

Erst um 1900 akzeptierten die katholischen Bayern und Rheinländer das Christkindl, in anderen Ländern mutierte es, gekreuzt mit dem Nikolaus, zum Weihnachtsmann. Der kreuzt jetzt im Coca-Cola-Weihnachtstruck durch die Lande. So ändern sich die Leute. Der „Sieger des Volkes“ verkauft heute amerikanische Brause. 

© Wolfgang Jung - schreibdasauf.info  


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