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Der Revolutionär Felix Fechenbach
Am 7. August 1933 ermordeten Nationalsozialisten Felix Fechenbach (2 Fotos: Archiv Flade), den Mann, nach dem das Felix-Fechenbach-Haus im Würzburger Stadtteil Grombühl benannt ist. Er war Politiker und Journalist, geboren in Bad Mergentheim, aufgewachsen in Würzburg, nahe dem heutigen Backöfele.
7. November 1918: Der erste Weltkrieg ist zu Ende, meuternde Matrosen tragen die Revolution durchs Kaiserreich. In Bayern regiert noch König Ludwig III. Auf der Münchner Theresienwiese versammeln sich 60.000 Kriegsmüde zur Friedenskundgebung, aufgerufen von SPD, Gewerkschaften und USPD.
Oskar Maria Graf erinnert sich
Unter den Rednern ist Kurt Eisner, der spätere bayerische Ministerpräsident. Oskar Maria Graf erinnert sich in seiner Autobiographie „Wir sind Gefangene“: „Und dann kam etwas Ungeheures. Plötzlich schwingt einer neben Kurt Eisner die rote Fahne und schreit: ,Genossen und Genossinnen! Wir wollen nicht mehr lange reden! Die Revolution ist da! Wer dafür ist, mir nach, uns nach!' Ein ungeheurer Jubel, ein jähes Losgehen. Wer hat denn geschrien? Wer hat denn uns alle mitgerissen? Jener rührend unbeholfene, einfache Felix Fechenbach.“
Er war am 28. Januar 1894 zur Welt gekommen, als zweiter Sohn von fünf Söhnen von Rosalie und Noe Fechenbach. Im selben Jahr zog die Familie nach Würzburg, um die Bäckerei in der Ursulinengasse 2 zu betreiben. Felix musste bald in aller Frühe die Backwaren an die Kundschaft ausliefern. Er ist kein guter Schüler der jüdischen Volksschule gewesen, wohl weil er rechtschaffen müde war, wenn er seinen Job als Laufbursche erledigt hatte. Er hat viele Schläge von seinem Vater und seinen Lehrer einstecken müssen. Auffällig war die große Phantasie, die er als Bub entwickelte.
Ein Antimilitarist zieht in den Krieg
1910, er war Handlungsgehilfe in einer Würzburger Schuhgroßhandlung geworden, trat er dem „Zentralverband der Handlungsgehilfen und Handlungsgehilfinnen“ bei, einer sozialdemokratisch orientierten Angestelltenorganisation. Würzburg wurde ihm zu klein. 1911 ging Felix Fechenbach nach Frankfurt, wo er wieder mit Schuhen handelte. Als sein Chef die Arbeitszeit verlängern ohne Lohnausgleich verlängern wollte, organisierte er als 17-Jähriger einen Streik und fliegt raus. Er zieht nach München, verkauft wieder Schuhe, kündigt und nimmt eine Stelle im „Arbeitersekretariat“ der Angestelltengewerkschaft an. Er besucht eine Fortbildungsschule. In der Gewerkschafts- und SPD-Presse erscheinen erste Artikel von ihm.
Er ist Antimilitarist, wehrt sich aber nicht, als er am 30. August 1914 eingezogen wird. Im Krieg beweist er Mut und erhält das Eiserne Kreuz II. Klasse. Am 9. Februar macht ihn eine schwere Verwundung frontuntauglich. Aus dem Lazarett schreibt er seinen Eltern, er könne von ihnen nicht verlangen, dass sie seine Absichten teilen, wohl aber, dass sie ihn gewähren lassen. Und erklärt, dass „nicht unberührt bleiben konnte von den geistigen Bestrebungen unserer Zeit und deshalb in Konflikt kommen muss mit den Anschauungen, die für mich als überwunden gelten.“
Der Fechenbach-Prozess
Fechenbach war gar nicht so unbeholfen, wie Graf glaubte. Er wurde Eisners Sekretär und schrieb an seine Verlobte Martha Czernichowski: „Ich handele aus reinstem Idealismus, bin tief durchdrungen von der Notwendigkeit dieser Revolution.“
Am 21. Februar 1919 ermordet ein Rechtsradikaler Eisner. Die Revolution bricht zusammen. Eisners Mörder Anton Graf von Arco-Valley kommt mit vier Jahren Festungshaft davon, das Gericht bescheinigt ihm „ehrenhafte Motive“. 1922 steht Fechenbach vor einem Sondergericht, wegen angeblichen Landesverrats – er soll für die Revolution büßen. Elf Jahre Zuchthaus, lautet das Urteil; der Prozess geht als „Fechenbach-Prozess“ in die Justizgeschichte ein. Die linke und liberale Presse kommentierte: „Kriegserklärung an die Republik“, „Münchner Justizmord“ oder von einem „ungeheuerlichen, der Vernunft und Gerechtigkeit hohnsprechenden Urteil“; selbst rechte Organe sahen „gröbstes Unrecht“. 30 000 Bürger forderten mit einer Unterschriftenaktion seine Freilassung. Der öffentliche Druck war enorm. Die Strafe wird auf dreieinhalb Jahre, nach zwei Jahre und vier Monate kam er, 30 Jahre alt, frei.
Auf der Abschussliste
Fechenbach ging nach Berlin, engagierte sich in der Sozialistischen Arbeiterjungen und in der Deutschen Liga für Menschenrechte, arbeitete für verschiedene sozialdemokratische Zeitungen, wurde gut Freund mit Bert Brecht, Albert Einstein und Kurt Tucholsky. Er suchte eine Aufgabe, die ihn ausfüllt; im September 1929 trat er als Chefredakteur bei der SPD-Zeitung Volksblatt im lippischen Detmold an.
Er hat die Nazis gepiesackt. Er hat sie mit seinen Artikeln und Glossen genervt, entlarvt, lächerlich gemacht. Sie haben ihn dafür gehasst: Im Winter 1932/33 prophezeite der „Lippische Kurier“, ein Blatt der NSDAP: „Im kommenden Deutschland, im Dritten Reich, da werden die Aktion über den Landesverrat Fechenbachs nicht geschlossen bleiben. Dann wird der Schandfleck getilgt werden.“ Nach der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler ätzte das Blatt: „Na, was meinen Sie, Herr Fechenbach, wie lange Sie noch die Ehre haben, eine in deutscher Sprache erscheinende Zeitung zu leiten? Wir geben Ihnen kein langes Ziel mehr.“
20 Schüsse
Am 12. März 1933 höhnt der Kurier unter der Überschrift „Der Jude Fechenbach in Schutzhaft genommen“, die Festnahme sei erfolgt, da „infolge der Erregung unter den SA-Männern das Leben dieses Münchner Novemberhelden in Gefahr stand“. Fechenbach schreibt in der Haft seinen Würzburg-Roman „Der Puppenspieler“; die Zeit des Schreibens, teilt er seiner Frau mit, sei „die erträglichste in der Zelle“. Derweil hetzt der Kurier: „Freuen wir uns, dass Leute wie Fechenbach und Konsorten unschädlich gemacht worden sind. Dass sie nie wieder ihre Tätigkeit zum Schaden des arbeitenden deutschen Volkes aufnehmen können, dafür wird der nationalsozialistische Staat schon Sorge tragen.“
Am 8. August verlautbart das Nazi-Blatt: „Der Räte-Jude Fechenbach hat Lippe verlassen“. Fechenbach habe „ein Dauerabonnement auf das Konzentrationslager“ erhalten. Da ist Fechenbach schon tot, tags zuvor von zwei SA-Männern mit 20 Schüssen niedergestreckt, nachdem sie – wohl vergeblich – versucht hatten, Informationen aus ihm herauszuprügeln.Ein gewaltlos-kämpferischer Mensch
Der Würzburger Fechenbach-Forscher Helmut Försch beschreibt ihn als einen „gewaltlos-kämpferischen Menschen“ und als „zärtlichen, fürsorglichen Ehemann, Vater und Sohn. Über allem aber steht seine ungebrochene Liebe zu den Menschen, sein Glaube an Solidarität und Menschlichkeit, seine Treue zu seiner sozialistischen Weltanschauung und zu seinen Weggenossen.“
Vor dem Anwesen in der Ursulinengasse 2 erinnert Stolpersteine an Felix Fechenbach und zwei seiner Brüder, die ebenfalls von den Nationalsozialisten ermordet wurden.
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Roland Flade, Historiker und Main-Post-Journalist, hat 2 Bücher von Felix Fechenbach neu herausgegeben: "Der Puppenspieler - Ein Roman aus dem alten Würzburg" (1988) und "Im Haus der Freudlosen - Als Justizpopfer im Zuchthaus Ebrach" (1993). Beide erschienen im Verlag Königshausen & Neumann, Würzburg.
Siehe auch: Lippische Landeszeitung vom 1. April 2007: Einer bleibt verschwunden - Verfahren gegen letzten Mörder von Felix Fechenbach eingestellt
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