Leben in der Stadt
Priester verabschiedet sich nach Missbrauch
Ein Priester, der den sexuellen Missbrauch einer Minderjährigen gestand, hat sich mit einem Brief von seinen beiden Würzburger Pfarrgemeinden verabschiedet. Neben seiner Tätigkeit als Gefängnispfarrer hatte er sie als Administrator betreut. Der Brief wurde in den Gottesdiensten verlesen.
Ein „sehr dunkler Punkt“ aus seiner Vergangenheit habe ihn eingeholt, schreibt der heute 63-Jährige. Er habe vor über 30 Jahren „sexuelle Kontakte“ mit einer 15-Jährigen gehabt „unter Ausnutzung des Abhängigkeitsverhältnisses“. Das Mädchen sei in ihn verliebt gewesen. Heike W. (ich habe den Namen geändert), sein Opfer, berichtet, der Missbrauch durch den damals 31-jährigen Kaplan habe ein halbes Jahr lang angedauert. Der Priester ließ den Gemeinden nun vorlesen, "diese Übergriffe" hätten ihm "von Anfang an zutiefst Leid getan“. Wie leid der Missbrauch seinem Opfer tat und warum er trotzdem weitermachte, erklärte er den Gemeindemitgliedern nicht. Das Wissen um seine Taten habe in „all die Jahre über begleitet und belastet“.
Nun sei er mit „diesen Vorfällen“ konfrontiert worden. Er stelle sich seiner Verantwortung „in vollem Umfang“. Seine bisherigen Tätigkeiten in der Gefangenenseelsorge und in der Gemeindepastoral könne er nicht mehr länger ausüben. Er habe den Bischof deshalb gebeten, in den Ruhestand versetzt zu werden und sich selbst bei der Staatsanwaltschaft angezeigt, um den juristischen Sachverhalt zu klären.
Der Geistliche schreibt, er wisse, dass „ich viele Menschen durch mein damaliges Verhalten und mein langes Schweigen enttäusche“. Er bitte „von Herzen“ um Vergebung. Weil ihm selbst immer ein Anliegen gewesen sei, schuldig Gewordenen zu helfen, bitte er die Gemeindemitglieder um das Gebet und menschliche Nähe für sich. Um Gebete für sein Opfer, das sich bis heute mit den Folgen seiner Taten plagt, bat er nicht.
Dem Pressesprecher der Diözese Bernhard Schweßinger zufolge hält sich der Priester „an einem unbekannten Ort“ auf, wo er betreut werde. Der Pfarrer wolle sich laut Schweßinger „während der derzeitigen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft nicht öffentlich äußern“. Außerdem ziehe er sich jetzt „in Folge der Entscheidung des Bischofs für eine bestimmte Zeit zurück“.
© Wolfgang Jung - schreibdasauf.info