Kunst & Kultur

Burg, Schloss, Festung

Drei Würzburger Professoren – Helmut Flachenecker, Dirk Götschmann und Stefan Kummer – haben ein Buch über - so schreiben sie in der Unterzeile: den „Marienberg im Wandel“ herausgegeben. „Burg, Schloss, Festung“ heißt es, gut 320 Seiten ist es dick.

Die Würzburger Bischöfe drangsalierten ihre Schäfchen und plünderten sie aus. Die ersten Kanonenkugeln, vor denen die Würzburger Reißaus nahmen, hat ihnen 1374 ihr eigener Bischof geschickt, Gebhard von Schwarzburg. Einer seiner Nachfolger, Johann von Brunn, ließ Bürger in den Hinterhalt locken und umbringen; sie hatten für seine Schulden nicht mehr aufkommen wollen. Jahrhunderte lang kämpften die Würzburger um ihre Freiheit gegen die Fürstbischöfe, mehr als blutige Köpfe und leere Kassen gewannen sie nicht. Die Geschichte wäre anders verlaufen, berichtet der Landeshistoriker Helmut Flachenecker, hätten die Bischöfe die Festung (Foto: Wolfgang Jung) nicht gehabt.

"Das slos must herab und nit anders"

Flachenecker zitiert in „Burg, Schloss, Festung“ den Rothenburger Bürgermeister Ehrenfried Kump, einen Bauernführer, der 1525 forderte: „Das sloss must herab und nit anders.“ Dieser Satz mache „mit einer seltenen Klarheit“ die Bedeutung der Burg deutlich. Ohne sie, vermutet der Professor, wäre Würzburg freie Reichsstadt geworden, der Klerus hätte sich eine andere Stadt zum Residieren suchen müssen.

Die Forscher wissen nicht, wie die Festung auf den Berg kam. Überliefert ist wenig, erste baugeschichtliche Untersuchungen stammen aus dem 11. Jahrhundert, sie sind laut Flachenecker „spärlich und spröde“. In seinem Aufsatz berichtet er über die militärische Bedeutung der Burg vor allem im Kampf der Bischöfe gegen die Würzburger. Ihr Ausbau, bis hin zum Schloss, sei ein „ständiger Reflex auf den Ausbau der bischöflichen Landesherrschaft“ gewesen.

Zwölf Autoren beschäftigen sich in elf Aufsätzen mit dem Leben in und mit der Festung, ein Vergleich mit den barocken Wallmauern der Festung Rosenberg in Kronach inklusive.

Zu lesen ist, wie eng das Leben der Würzburger mit der Entwicklung des Gemäuers auf dem Marienberg verknüpft war, bis zur Entfestigung im 19. Jahrhundert. Die Festung, über gewaltige Wälle mit der Stadt zu einer Verteidigungsanlage verbunden, taugte in Kriegszeiten nicht mehr, und den Würzburgern war es hinter der Stadtmauer zu eng geworden. Aus der Festung wurde endgültig ein Repräsentationsbau. Das Buch endet zeitlich im Ersten Weltkrieg, als das Kaiserreich die Festung als Offiziersgefangenenlager nutzte.

Wenig Sinn fürs allgemein Verständliche

Die Herausgeber widmeten „Burg, Schloss, Festung“ Ernst Krenig, dem langjährigen Vorsitzenden der Freunde Mainfränkischer Kunst und Geschichte. Krenig ist im August 80 Jahre alt geworden. Er hoffe, sagt er, dass dieses Werk die Wahrnehmung für die Festung schärfe. Wahrscheinlicher ist aber, dass es über den Kreis der Geschichtsinteressierten hinaus wenig Verbreitung findet. Einen Grund dafür lieferten die gelehrten Autoren selbst, die wenig Sinn fürs allgemein Verständliche zeigen. So lassen sie lateinische Zitate unübersetzt, selbst wenn die fürs Verstehen des Aufsatzes unverzichtbar sind.

schreibdasauf.info

"Burg, Schloss, Festung" ist als 78. Band der Mainfränkischen Studien im Echter-Verlag erschienen. Es ist im Buchhandel und in der Geschäftsstelle der Freunde Mainfränkischer Kunst und Geschichte, Pleicherkirchgasse 16 in Würzburg, für 20 Euro zu erwerben.

© Wolfgang Jung - schreibdasauf.info 

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