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Balthasar Neumann: Baumeister und Streithansel

Das Würzburger Trinkwasser ist eine schlimme Brühe, bis Balthasar Neumann (Foto: Wolfgang Jung) kommt. 1730 leitet er über einen Kanal sauberes Quellwasser in die Stadt; es sprudelt aus dem Vierröhrenbrunnen und die Würzburger sind aus dem Häuschen. Ein Zeitgenosse notiert: „Einer drinckeht auß der Röhren, der andere haltete den hutt auf und thun nicht anders, als laufete wein heraus." Vermögende Bürger wollen jetzt Zierbrunnen haben, er lehnt ab: Erst müsse überall in der Stadt gesundes Wasser verfügbar sein, zur „Satisfaction aller leithe".

Ein Bursche mit seltenem Talent

1711: Balthasar Neumann, Jahrgang 1687, siebtes von neun Kindern armer Leute aus dem böhmischen Egern, ein Geselle des Glocken- und Geschützgießerhandwerks, erreicht, arm wie eine Kirchenmaus, auf seiner Wanderschaft Würzburg. Hier sind tüchtige Leute wie er gefragt: Fürstbischof Johann Philipp von Greifenclau hat Kaiser Karl VI. Kanonen für den Spanischen Erbfolgekrieg und den Krieg gegen die Türken versprochen, und Neumann heuert in einer Gießhütte an. Andreas Müller, der Artillerie-Chef, preist bald Neumanns Können: „In dießen burschen liegt ein seltenes Talent, wenn er wissenschaftliche Vorbildung hätte, dürfte er ein großer mann werden.“

… baut genial …

Von Greiffenclau fördert den jungen Mann, der mit enormem Willen und Ehrgeiz Wissen in sich hinein frisst. Neumann wird Soldat, bringt es später bis zum Artillerie-Obristen, will Architekt werden, bildet sich auf Reisen fort, lernt Fremdsprachen, wird ein Spezialist für Brunnenbau, und der Fürstbischof beobachtet ihn mit Wohlgefallen. 1719 bekommt Neumann seine erste Arbeit als Architekt, ein schmuckloses Reihenhaus am Fuß der Würzburger Festung. Ein Jahr später, er ist 33 Jahre alt, beauftragt ihn der Fürstbischof mit den Plänen für die Residenz. Neumann entfaltet sein Genie: Er entwirft mit dem Prachtbau ein Schloss unter den Schlössern. Er plant das Käppele, das Veitshöchheimer Schloss, St. Laurentius in Retzbach, die Prämonstratenserabtei in Oberzell, den Maschikuliturm der Festung Marienberg, die Heiligkreuzkirche in Kitzingen-Etwashausen, gestaltet in Würzburg ganze Straßenzüge neu und verlegt Kanäle, die zum Teil heute noch genutzt werden – bis zu seinem Tod 1753 sind es rund 100 bedeutende Brücken, Kirchen, Kloster, Schlösser, Wohn- und Geschäftshäuser, vornehmlich in Franken.

… und ist ein garstiger Streithansel

Über alledem ist er ein garstiger Streithansel. So beharkt er sich auf der Residenzbaustelle jahrelang mit Joseph Raphael Tatz, seinem Stellvertreter in der Hofbaukommission. 1742 bringt Tatz eine Schmähschrift auf ihn in Umlauf, über die ein Zeitgenosse schreibt, sie sei "sehr Einföltig gemacht", aber "die pure warheit"; jedermann habe den Tatz bedauert. Neumann mobbt ihn weg.
Aber als Architekt ist der Mann aus Böhmen ein Geschenk an die Welt gewesen.

© Wolfgang Jung - schreibdasauf.info 

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